Factoring in der Krise: welche Forderung wirklich verkäuflich ist
Wenn die Bank die Linie nicht mehr erhöht, bleibt der Forderungsverkauf: Das Geld ist verdient, und über den Ankauf entscheidet vor allem die Bonität der Kunden, nicht die eigene. Genau deshalb wird zu diesem Thema fast nur von Anbietern geschrieben, und drei Punkte fehlen dort regelmäßig. Gekauft wird laufend und auf Rahmenvertrag, nicht die eine große überfällige Rechnung. Ein Abtretungsverbot im Einkaufsvertrag des Kunden blockiert den Verkauf nicht, verteuert ihn aber. Und das eigene Umsatzsteuerkonto entscheidet mit, weil nicht entrichtete Steuer den Käufer haften lässt. Keel in Hamburg rechnet aus BWA, SuSa und OPOS-Liste in zwei Werktagen ein kostenloses Lagebild mit Distress Score von 0 bis 100; eine Success Fee fällt nur auf realisiertem Kapital an. Diese Seite ist Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung.
- Rahmenvertrag statt Einzelrechnung
- § 13c UStG haftet mit
- Lagebild in 2 Werktagen
- Keine Rechtsberatung
Was hier gekauft wird, und was nicht
Das Produkt ist im Gesetz definiert, und die Definition ist enger als die Erwartung. § 1 Absatz 1a Satz 2 Nummer 9 KWG nennt als Finanzdienstleistung „der laufende Ankauf von Forderungen auf der Grundlage von Rahmenverträgen mit oder ohne Rückgriff (Factoring)". Zwei Merkmale stehen darin: laufend und Rahmenvertrag. Wer in der Klemme die eine große überfällige Rechnung abgeben will, fragt nach etwas anderem als dem lizenzierten Produkt; verhandelt wird über ein Debitorenportfolio auf Dauer. Anbieten darf das nur, wer eine Erlaubnis der BaFin nach dem Kreditwesengesetz hat, und die erlaubten Institute stehen in deren öffentlicher Datenbank.
Verbreitet ist das Instrument durchaus: Nach dem Jahresbericht des Deutschen Factoring-Verbandes kauften seine 47 Mitgliedsunternehmen 2025 Forderungen über 423,5 Milliarden Euro an, 9,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, verteilt auf über 112.000 Kunden. Zwei Zahlen aus demselben Bericht ordnen aber die Erwartung. Über 94 Prozent der Kunden liegen im Volumenband bis 10 Millionen Euro und tragen nur 22,4 Prozent des Volumens, während die Großvolumen ab 50 Millionen Euro 60,4 Prozent ausmachen. Und das Inhouse-Factoring, bei dem das Debitorenmanagement im eigenen Haus bleibt, hält 65 Prozent: Die Entlastung vom Mahnwesen, mit der geworben wird, beschreibt die kleinere Hälfte des Marktes.
Welche Forderung überhaupt frei ist
Vor dem Preis steht die Frage, ob die Forderung noch zu haben ist. Wo die Bank eine Globalzession hält oder ein Lieferant unter verlängertem Eigentumsvorbehalt liefert, ist sie im Voraus abgetreten. Das steht nicht in der OPOS-Liste, sondern in Kredit- und Einkaufsverträgen.
Der Punkt, den die Anbieterseite als Ausschlusskriterium führt, ist dagegen keiner. Ein Abtretungsverbot ist nach § 399 BGB grundsätzlich wirksam, aber § 354a Absatz 1 Satz 1 HGB kehrt das im Handelsverkehr um: Ist die Abtretung einer Geldforderung durch Vereinbarung ausgeschlossen und ist das Grundgeschäft „für beide Teile ein Handelsgeschäft, oder ist der Schuldner eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder ein öffentlich-rechtliches Sondervermögen, so ist die Abtretung gleichwohl wirksam". Satz 3 schließt die Umgehung: „Abweichende Vereinbarungen sind unwirksam."
Zwei Randbedingungen gehören dazu. Der Bundesgerichtshof hat am 26. Januar 2005 entschieden, dass der Vorbehalt in Einkaufsbedingungen, der Lieferant dürfe seine Kaufpreisforderungen ohne vorherige schriftliche Zustimmung nicht abtreten, einem Abtretungsausschluss im Sinne des § 354a HGB gleichsteht (VIII ZR 275/03). Und Absatz 2 nimmt eine Gruppe ausdrücklich aus: Forderungen aus einem Darlehensvertrag, deren Gläubiger ein Kreditinstitut ist.
Was der Kunde nach dem Verkauf behält
Verkauft wird die Forderung mit allem, was an ihr hängt, von der Mängelrüge bis zur Gutschrift. § 404 BGB: „Der Schuldner kann dem neuen Gläubiger die Einwendungen entgegensetzen, die zur Zeit der Abtretung der Forderung gegen den bisherigen Gläubiger begründet waren." Der Sicherheitseinbehalt, der bei einer Auszahlung von 80 oder 90 Prozent beim Käufer bleibt, ist deshalb keine Verhandlungsposition, sondern die Rückseite dieser Vorschrift.
Für die Aufrechnung zieht § 406 BGB im Normalfall eine Grenze: Der Kunde kann eine Forderung gegen den alten Gläubiger auch dem neuen entgegenhalten, „es sei denn, dass er bei dem Erwerb der Forderung von der Abtretung Kenntnis hatte". Genau diese Grenze fällt weg, wo § 354a HGB die Abtretung gerettet hat. Nach demselben Urteil vom 26. Januar 2005 findet § 406 BGB in diesem Fall keine Anwendung, und der Kunde kann selbst dann aufrechnen, wenn er die Gegenforderung in Kenntnis der Abtretung erwirbt.
Dazu kommt Satz 2 derselben Vorschrift: Der Kunde „kann jedoch mit befreiender Wirkung an den bisherigen Gläubiger leisten". Das Geld kann also weiter im eigenen Haus eingehen und muss weitergeleitet werden, während die Löhne fällig sind. Ein Abtretungsverbot ist damit kein Tor, sondern ein Preis: verkäuflich, aber dauerhaft schlechter geschützt.
Warum das eigene Steuerkonto mitentscheidet
Ein Punkt fehlt in der Anbieterliteratur vollständig, und er ist der einzige, der an der eigenen Lage hängt. § 13c Absatz 1 Satz 1 UStG lässt den Käufer für die Umsatzsteuer haften, die in der abgetretenen Forderung steckt, wenn das verkaufende Unternehmen die festgesetzte Steuer „bei Fälligkeit nicht oder nicht vollständig entrichtet hat". Mit der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gilt dabei auch die noch nicht fällige Steuer im Verhältnis zum Käufer als fällig.
Ermessen gibt es nicht. Der Käufer ist nach Absatz 2 Satz 1 in Anspruch zu nehmen, sobald die Steuer fällig wird, frühestens ab Vereinnahmung der Forderung, und Satz 2 stellt fest: „Bei der Inanspruchnahme nach Satz 1 besteht abweichend von § 191 der Abgabenordnung kein Ermessen." Ein Umsatzsteuerrückstand ist damit keine Sache zwischen Betrieb und Finanzamt mehr, sondern ein Merkmal der eigenen Forderungen, und er wirkt auf die Sicherungszession der Bank genauso.
Deshalb steht sogar im Steuergesetz, wohin der Kaufpreis fließen muss. Nach Absatz 1 Satz 4 und 5 entlastet die Auszahlung den Käufer nur, wenn der Betrag „tatsächlich in den Verfügungsbereich des leistenden Unternehmers" gelangt, und davon ist nicht auszugehen, „soweit dieser Geldbetrag auf ein Konto gezahlt wird, auf das der Abtretungsempfänger die Möglichkeit des Zugriffs hat". Eingefügt wurden die beiden Sätze 2017, nachdem der Bundesfinanzhof am 16. Dezember 2015 entschieden hatte, dass die Haftung auch beim echten Factoring nicht ausgeschlossen ist, wenn der Factor liquide Mittel bereitgestellt hat, aus denen die Steuer zu zahlen gewesen wäre (XI R 28/13).
Der Abschlag, der die Auszahlung mindert, kann außerdem ein Entgelt für die Gewerbesteuer sein. § 8 Nummer 1 Buchstabe a Satz 2 GewStG rechnet Diskontbeträge bei der Veräußerung von Geldforderungen hinzu, nur den Finanzierungsanteil. Das ist eine eigene Seite.
Was Keel dazu macht und was nicht
Forderungsrealisierung ist die fünfte, Bridge und Factoring die siebte der sieben Keel-Methoden, und beide beginnen mit derselben Rechnung. Aus BWA, SuSa und OPOS-Liste entsteht in zwei Werktagen ein Lagebild mit Distress Score von 0 bis 100: Altersstruktur und Konzentration der Debitoren, der nach Globalzession und Eigentumsvorbehalt freie Teil des Bestands, der Runway, und die Frage, ob ein Ankauf die Lücke in der Woche schließt, in der sie entsteht. Erstanfrage und Lagebild kosten nichts; eine Success Fee fällt nur auf Kapital an, das nachweislich ankommt.
Was Keel nicht ist, gehört dazu: kein Factoringinstitut, kein Inkassounternehmen, keine Kanzlei und keine Steuerberatung. Wir kaufen keine Forderungen an. Wie ein Abtretungsverbot im konkreten Vertrag zu lesen ist und was ein Rückstand beim Finanzamt steuerlich bedeutet, gehört zu Anwalt und Steuerberater.
Nächster Schritt
Die Unterlagen liegen vor: der letzte Jahresabschluss, die aktuelle BWA mit SuSa, die OPOS-Liste und die Kreditverträge mit den Sicherheitenabreden. Legen Sie sie auf keel.legal ab, hinterlassen Sie Kontakt und Rolle und wählen Sie Termin oder Rückruf. Innerhalb von zwei Werktagen kommen Lagebild, Distress Score und erste Kurzfrist-Angebote zurück. Ihre Zahlen sieht zuerst nur das Keel-Team.